[Dein Lied erklang, ich habe es gehöret]

[262] Dein Lied erklang, ich habe es gehöret,

Wie durch die Rosen es zum Monde zog;

Den Schmetterling, der bunt im Frühling flog,

Hast du zur frommen Biene dir bekehret,

Zur Rose ist mein Drang,

Seit mir dein Lied erklang!


Dein Lied erklang, die Nacht hat's hingetragen,

Ach, meiner Ruhe süßes Schwanenlied!

Dem Mond, der lauschend von dem Himmel sieht,

Den Sternen und den Rosen muß ich's klagen,

Wohin sie sich nun schwang,

Der dieses Lied erklang!


Dein Lied erklang, es war kein Ton vergebens,

Der ganze Frühling, der von Liebe haucht,

Hat, als du sangest, nieder sich getaucht

Im sehnsuchtsvollen Strome meines Lebens,

Im Sonnenuntergang,

Als mir dein Lied erklang!


Quelle:
Clemens Brentano: Werke. Band 1, München [1963–1968], S. 262.
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Clemens Brentano
EAN 9783843001199, 274 Seiten

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